Stiftung Warentest entdeckt die Wärmepumpe

In Heft 6/2007 wurden von der Stiftung Warentest 10 Sole-Wärmepumpen getestet und bewertet. An welchen Kriterien sich der Test orientiert haben mag, sei dahin gestellt, praxisgerecht oder gar nachvollziehbar ist er nicht.

Alleine die Gewichtung der Testkriterien lässt tief blicken. Die Effizienz der Heizung ging mit 35% ins Ergebnis ein, Komfort und Effizienz der Warmwasserbereitung zu 30%, Umwelteigenschaften und Verarbeitung zu je 5%, Handhabung zu 25%. Der Punkt Handhabung beinhaltet auch Aufstellung und Inbetriebnahme sowie Service und Wartung, also Dinge die mit dem praktischen Betrieb für den Verbraucher gar nichts zu tun haben. Der Test besagt selbst "Über die Bedienung muss man sich kaum Gedanken machen. Sind die Wärmepumpen erst einmal installiert, funktionieren sie vollautomatisch und wartungsfrei."

Da der Heizbetrieb letztlich das entscheidende Kriterium für den Energieverbrauch sein sollte, ist die geringe Gewichtung eher als heruntergespieltes Unterscheidungskriterium zu sehen um die Hersteller nicht bloß zu stellen, sehr dicht liegen die COP mit 4,0 bis 4,7 auch nicht beieinander. Zur Vermessung wird auf die EN 14511 Bezug genommen, demnach hätte die Spreizung der Nutzerseite nur 5 °C betragen dürfen. Vergleicht man die Resultate aber mit den Messwerten aus Buchs, wird deutlich, dass mit einer Spreizung von 10 °C gemessen wurde und zudem die COP sogar etwas über den Zahlen von Buchs liegen! Und dies sogar mit der Berücksichtigung der eingebauten Pumpen... Wer die Maschinen und auf welcher Basis vermessen hat, verschweigt der Test.

Bis auf das Gerät von Dimplex mit separatem WW-Speicher hatten alle anderen den Speicher integriert, bis auf Waterkotte mit automatischem Legionellenschutz über einen E-Heizstab. Wegen des höheren Platzbedarfs bekommt Dimplex dafür einen Punktabzug. Problem: Eine Wärmepumpe kann das Warmwasser nicht sehr schnell erwärmen, deshalb muss eine für den Bedarf ausreichende Menge im Speicher bevorratet werden. Ist diese zu klein, so wie bei den Geräten hier für eine 4-köpfige Familie mit ca. 180 - 220 Liter, so muss ein E-Heizstab einspringen. Für einen größeren Speicher wegen des Platzes einen Punktabzug zu geben, bestraft den richtigen Ansatz.

Kurios wird der Test wenn die "Tipps" ins Spiel kommen:

OPTIMAL BEIM NEUBAU Vorausschauende Planung sorgt für einen dauerhaft günstigen Betrieb der Wärmepumpe mit hohen Leistungszahlen: außen ein optimaler Wärmeschutz und innen eine Fußboden- oder Wandheizung. Die Kosten für Schornstein, Öltank oder Gasanschluss kann sich der Bauherr sparen.

WÄRMEQUELLE Wer die Chance hat, Grundwasser als Wärmequelle anzuzapfen, profitiert von relativ hohen Jahresarbeitszahlen. Aber auch Erdsonden und -kollektoren ohne Kontakt zum Grundwasser können sehr wirksam sein. Je feuchter der Boden, desto besser die Wärmeübertragung: Das Versickern von Regenwasser erhöht den Wirkungsgrad.

>> Das Versickern von Regenwasser hat so gut wie keinen Einfluss auf den Wirkungsgrad. Gerade wenn´s drauf an kommt, also bei kalten Temperaturen sind Boden und Dachflächen gefroren, es kann deswegen nichts versickert werden.

DEN GARTEN SCHONEN Vor der Neuanlage des Gartens lässt sich ein Erdkollektor mit relativ wenig Aufwand vergraben. Später drohen aber Probleme mit der Vegetation. Der Wärmeentzug kann Pflanzen „kalte Füße? bereiten. Deshalb sollte man die Leitungen in etwa 1,5 Meter tiefen Gräben verlegen, die um wertvolle Pflanzen einen Bogen machen. Erdsonden sollten Sie möglichst dort einbauen lassen, wo das Bohrfahrzeug hinfahren kann, ohne allzu große Schäden anzurichten.

>> Die Verlegetiefe hat wenig Einfluss auf Entzug und Pflanzenwachstum. Entschiedend ist eine ausreichende Fläche unter Berücksichtigung der Bodenverhältnisse.

PLATZFRAGE Eine Wärmepumpe muss man nicht im Keller verstecken, sie kann auch in der Küche oder im Bad stehen. Wählen Sie dann aber besser ein leises Gerät. Der Aufstellplatz muss groß genug für Wartungsarbeiten sein. Beachten Sie die Aufbau- und Transportmaße, damit es in niedrigen Kellern kein Problem gibt.

LEGIONELLEN Um der Vermehrung von Bakterien im Warmwasser vorzubeugen, sollte der Speicher einmal pro Woche auf mindestens 60 Grad Celsius erhitzt werden. Aber nicht auf über 65 und nicht ständig: Sehr hohe Heiztemperaturen schafft eine Wärmepumpe nur mit relativ viel Stromverbrauch ? oft sogar nur mit eingebautem Elektro-Heizstab. Das belastet die Ökobilanz und den Geldbeutel.

>> Ein Frischwassersystem lässt Legionellen erst gar nicht entstehen, deshalb ist eine Prophylaxe nicht nötig. Die allermeisten Wärmepumpen schaffen eine max. Temperatur von 55 °C, deshalb muss die notwendige Temperatur zum Legionellenschutz von einem E-Heizstab erbracht werden (siehe Waterkotte).

Die Marktentwicklung wird auch auf eine interessante Art und Weise kommentiert:
"Die Wärmepumpenidee ist nicht neu. Bereits vor über 20 Jahren warben Anbieter kräftig dafür. Doch damals litten viele Anlagen unter Kinderkrankheiten. Als Wärmequelle nutzten sie meist die Außenluft. Das Problem: Je kälter der Winter, desto höher Stromverbrauch, Umweltbelastung und Kosten ? vor allem in wenig gedämmten Häusern. Kein Wunder, dass sich Häuslebauer zum Beispiel lieber für Gasheizungen entschieden."

>> Das Gegenteil ist richtig. Der Anteil an Luft-Wasser-Wärmepumpen war früher nur gering und hat sich erst in den letzten Jahren von etwa 10 % auf derzeit 50 % gesteigert.

Testsieger wurde die WP von Vaillant, gefolgt von Alpha-Innotec und Stiebel. Waterkotte, Viessmann und Schlusslicht Nibe markieren das Ende des Feldes.

Ein Hinweis auf die ausreichende Auslegung der Wärmequelle und deren Kosten fehlt, anscheinend unwichtig für das Lager der deutschen Wärmepumpenindustrie, der Heizstab wird´s schon richten. Testsieger bei Stiftung Warentest zu sein, sagt noch lange nichts über die Effizienz oder Qualität aus. CO2-Sonden oder Direktverdampfer haben einen höheren Wirkungsgrad als die angetretenen Sole-Wärmepumpen, zudem war nur ein ausgesuchtes Feld von Herstellern am Test beteiligt.

Link zu den Testergebnissen: http://www.test.de/themen/umwelt-energie/test/-Waermepumpen/1538660/1538660/1543132/1540687/